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Warum sprechen Italiener so schnell?

Warum sprechen Italiener so schnell?

Italiener sprechen schnell, Schweizer eher langsam – so das gängige Klischee. Doch stimmt das wirklich? Oder bringen am Ende alle Sprachen gleich viel Information ans Ohr?

Stimmt das Klischee vom rasanten Sprechtempo?

Italiener reden schnell, Schweizer langsam – diese Wahrnehmung kennt fast jeder. Ein interessanter Beitrag bei science.ORF.at geht der Frage auf den Grund: Wie viel Wahrheit steckt im Vorurteil – und was sagt die Sprachwissenschaft dazu?

Silben pro Sekunde sind nicht alles

Sprechtempo lässt sich tatsächlich messen – in Silben pro Sekunde. Italienisch liegt dabei vorne, Deutsch und Schweizerdeutsch eher weiter hinten. Doch entscheidend ist nicht die reine Anzahl der Silben, sondern die Informationsdichte: Wie viel Bedeutung steckt in jeder einzelnen Silbe?

Sprachen mit „lockerer” Silbenstruktur wie Italienisch kompensieren ihre höhere Sprechgeschwindigkeit durch eine geringere Informationsdichte pro Silbe. Sprachen mit „dichten” Silben wie Deutsch transportieren mehr Bedeutung pro Silbe – und brauchen entsprechend weniger Silben pro Sekunde. Unterm Strich kommt beim Zuhörer ungefähr gleich viel Information pro Minute an. Ein eleganter Kompromiss der Natur.

Was bedeutet das für die Übersetzungspraxis?

Diese sprachwissenschaftliche Erkenntnis hat ganz praktische Folgen: Italienische Texte sind in ihrer schriftlichen Form häufig länger als ihre deutschen Entsprechungen. Wer eine beglaubigte Übersetzung Deutsch ⇄ Italienisch beauftragt, sollte sich daher nicht wundern, wenn das italienische Original mehr Seiten umfasst als der deutsche Zieltext – oder umgekehrt. Ein deutsches Kompositum wie „Lebensversicherungsvertrag” benötigt im Italienischen gleich eine ganze Wortgruppe: „contratto di assicurazione sulla vita”.

Roberto Benigni und das italienische Sprechtempo

Wer sich ein lebendiges Beispiel für italienisches Sprechtempo wünscht, dem sei Roberto Benigni empfohlen: Der italienische Schauspieler, Regisseur und Oscar-Preisträger („La vita è bella”) gilt als Inbegriff sprudelnder italienischer Eloquenz. Sein Tempo lässt manch einen Zuhörer atemlos zurück – ein perfektes Anschauungsbeispiel dafür, wie Italienisch klingen kann, wenn es richtig fließt.

Der Originalbeitrag auf X (ehemals Twitter)

Bildquelle Roberto Benigni (im Tweet eingebettet): Silviapitt [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons.

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