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Marken- und Produktnamen, die in einem Sprachraum effekthascherisch wirken, entfalten in einem anderen mitunter eine gänzlich andere Wirkung – und selten die, die sich das Marketing erträumt hat.
Die „Piemontkirsche” und der Glokalismus
Markennamen haben großen Einfluss auf die Kaufentscheidung der Verbraucher. Jeder kennt die mittlerweile famose „Piemontkirsche” aus der ebenso berühmten italienischen FERRERO-Praline – die niemals im Piemont angebaut wurde. Sie suggeriert dem Konsumenten ein regionales, norditalienisches Produkt, einen nahen, greifbaren Ortsbezug. Schließlich schadet ein wenig „Glokalismus" (Globalisierung + lokal) nicht in unserer globalisierten Welt.

Wirklich schade, dass die Marketingleute in Großunternehmen sich selten den Rat eines Linguisten oder Übersetzers einholen, bevor sie ein neues Produkt „italienischklingend taufen”. Wer einmal nachgelesen hat, wie schnell Wörter über Sprachgrenzen hinweg stolpern, findet im Beitrag „False friends und ihre Tücken” weitere Beispiele.
„La Mia Grande” – oder: meine große Schweinshaxe
Produktnamen wie die Dr.-Oetker-Pizza „La Mia Grande" oder die – inzwischen eingestellte – „Piccola Cioccolatino" („kleine Pizza mit Schokopraline”) wirken auf italienische Ohren bestenfalls seltsam, schlimmstenfalls unfreiwillig komisch oder gar lächerlich. Dass manch eine Pizzabezeichnung für Italiener nahezu unappetitlich klingt, wurde bereits hier eingehender besprochen.
Die Dr.-Oetker-Pizza „La Mia Grande” heißt wörtlich „Meine Große (Pizza)”. Was das in den Köpfen italienischsprachiger Käufer vor der Tiefkühltruhe eines deutschen Supermarkts auslöst, lässt sich erahnen. Zur Veranschaulichung: Angenommen, wir säßen in der Marketingabteilung eines Fleischherstellers und sollten unsere allerneueste Schweinefleischkreation auf Deutsch „taufen” – würde die Bezeichnung im Umkehrschluss „Meine Große (Schweinshaxe)” lauten? Klingt das cool? Bekommt man Lust, „Meine Große” zu kaufen? Ähm … wir überlassen den Kaufwilligen diese Entscheidung.
Pepperoni und Editione Festiva – wenn Marketing dem Duden trotzt
Das Gleiche gilt für pseudoitalienische Pizzasorten wie „Pepperoni-Salame" (O-Ton von der Herstellerwebseite!) – fälschlicherweise mit Bindestrich und Doppel-p geschrieben. Korrekt wäre auf Italienisch peperoni: ein p, kein Bindestrich.
Und weiter geht die Reise mit der Pizza-Sondersorte „Editione Festiva" („Festausgabe” oder „-edition”). Schade nur, dass der italienische Begriff für „Ausgabe” mit z geschrieben wird: edizione, nicht mit t. Nicht so schlimm, sagen Sie? Hauptsache, die Original-Wagner-Pizza schmeckt …
Piccolinis – ein Plural mit linguistischem Nachgeschmack
Und bitte nicht die „Salami-Kleinen” (Salami-Minipizzen) vergessen: die Original Wagner „Piccolinis Salami”, die „sich aus der Hand essen lassen”, so klein sie sind (Originalzitat von der Pizzaherstellerwebseite). Die Pluralendung mit deutschem s an „Piccolinis” ist köstlich amüsant – ein wahrhaftiger Gaumenorgasmus für Linguisten.
Franco Fresco und Gustavo Gusto – Alliterationen mit Charme
An lustig klingenden, fantasievollen, pseudoitalienischen Produkt- und Markenbezeichnungen mangelt es nicht: „Franco Fresco” (auf Deutsch: „Frank, der Frische”) oder „Gustavo Gusto” („Gustav, der Geschmack”). Echte Perlen für die Italienisch-Liebhaber unter uns – und eine gut gelungene Alliteration, ein wahrer Geistesblitz eines Marketingprofis.
Liebe Marketingleute: Zu Ihrer nächsten italienischklingenden Wortneuschöpfung – samt damit verbundenen Risiken und Nebenwirkungen – fragen Sie bitte Ihren „Italienisch-Übersetzer des Vertrauens”, der zumindest „Festausgabe” („edizione festiva”) auf Italienisch korrekt auf die Reihe bekommt. Schließlich kann auch eine falsche Rechtschreibung einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen.


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