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12. April 2020

Romeo und Julia alias Paola und Michele - Die Liebe in Verona in Zeiten des Corona-Virus

Wer kennt die Geschichte von Romeo und Julia nicht? Auf Italienisch heißen sie „Giulietta e Romeo“: Interessanterweise wird Julia im Italienischen zuerst und Romeo danach genannt: Tja, die Italiener und ihr ausgesprochen höfliches, zuvorkommendes Verhalten gegenüber Frauen. Wer verbindet mit Verona das weltberühmteste italienische Liebespaar nicht? Romeo und Julia leben heute in Verona ja weiter. Ja, die beiden gibt es zwar wirklich, sie heißen jetzt aber nur ein wenig anders ...

Romeo und Julia alias Paola und Michele - Die Liebe in Verona in Zeiten des Corona-Virus

Wer kennt die Geschichte von Romeo und Julia nicht? Auf Italienisch heißen sie „Giulietta e Romeo“: Interessanterweise wird Julia im Italienischen zuerst und Romeo danach genannt: Tja, die Italiener und ihr ausgesprochen höfliches, zuvorkommendes Verhalten gegenüber Frauen. Wer verbindet mit Verona das weltberühmteste italienische Liebespaar nicht? Romeo und Julia leben heute in Verona ja weiter. Ja, die beiden gibt es zwar wirklich, sie heißen jetzt aber nur ein wenig anders: Paola und Michele, wie die italienische Zeitung „La Repubblica“ (siehe → hier) am 06.04.2020 berichtet. Sie heißt Paola Agnelli, ist 39 Jahre alt und Rechtsanwältin. Er heißt Michele D'Alpaos, 38 Jahre alt und von Beruf Bankangestellter. Wir sind in Verona in dem Stadtviertel Borgo Santa Croce und genauer gesagt in der via Cimarosa: Paola wohnt im 6. OG bei der Hausnr. 8 und Michele im 7. OG in der via Cimarosa 9. Ihr ganzes Leben haben die beiden immer nebeneinander gewohnt, sind sich vielleicht zigmal über den Weg gelaufen, ohne dass sie sich je bemerkbar machten.




Es stimmt auf der einen Seite zwar, dass das Corona-Virus uns Menschen voneinander trennt und fernhält (siehe in der Beziehung den neuartigen Begriff „social distancing“ oder auf Deutsch „soziale Distanzierung“), auf der anderen Seite bringt es jedoch in Verona Paola und Michele zusammen. Genau so wie bei Romeo und Julia aus der via Cappello 23 in Verona ist wieder der Balkon der Hauptschauplatz der Liebe der beiden Italiener in häuslicher Isolierung. Am 17. März 2020 steht Paolas Schwester Lisa auf dem Balkon und spielt Geige. Michele wird zuerst von der Musik und unmittelbar danach von der Frau neben der Geigenspielerin, nämlich Paola, wie verzaubert. Micheles Hauptfokus verlagert sich vom Balkon auf einen anderen virtuellen Schauplatz: Instagram. Er sucht nach Paola auf Instagram und weiteren sozialen Netzwerken und wird auch fündig. Es folgt ein einvernehmliches, beidseitiges "Bombardement" mit Nachrichten über Smartphone: Sie sind virtuell über ihre Smartphones zueinander sehr nah, obwohl Paola und Michele nur eine Hausnummer voneinander trennt. Gleiche Straße, unterschiedliche Hausnummern und Stockwerke.


Julias Balkon in der via Cappello 23 in Verona / Italien
(Bildquelle:
Wikimedia Commons)


Werden wir im Juli 2020 in einer Trattoria irgendwo in Italien so sitzen?
😱



"Aus verschiedenen Gründen hatte keiner von uns eine ernsthafte Beziehung", erzählt Michele der italienischen Zeitung "La Repubblica". "Aber jetzt sind wir wahnsinnig ineinander verliebt, wir rufen uns zehnmal am Tag an, gehen auf den Balkon hinaus und sehen uns stundenlang an.“ Das Liebespaar schwört, sie haben sich noch nicht „live“ getroffen. Noch kein reeller Kontakt in „Real Life“, weil die Angst vor der Ansteckung zu groß ist, weil beide mit älteren Eltern im Haushalt wohnen und diese in keiner Weise gesundheitlich gefährden möchten.
Das Allererste, was das italienische Liebespaar tun wird, wenn die Corona-Krise vorbei ist, ist das Einfachste auf dieser Welt und vielleicht das Normalste, was Liebespaare tun, wenn sie verliebt sind:
Im Park Händchen halten. Ein Ding der Unmöglichkeit bei der jetzigen, strengen Ausgangssperre, die nun bis zum 03. Mai 2020 landesweit verlängert wurde. Vor lauter Liebe hängte Michele ein Banner mit Paolas Namen am Geländer auf der Dachterasse der Wohnanlage:

 

Bildquelle: La Repubblica


Paola und Michele
widmen sich von einem Balkon zum anderen Balkon Lieder. Die Nachbarn, die alles verstanden haben, halten zu dem Liebespaar und drängen die beiden, nicht aufzugeben und in diesen Zeiten der Entbehrungen durchzuhalten. "Ich hätte nie gedacht, dass ich mich in einer solchen Situation der Entbehrung so starke Gefühle zeigen würde", begründet Paola, die bereits an die Zeit nach der Corona-Krise denkt. "Ich sagte ihm, er solle das Banner mit meinem Namen abnehmen und beiseite legen, wir behalten es als Andenken".


Das Corona-Virus und das italienische Liebespaar am Balkon in Verona:
"Für uns ist die Quarantäne ein Glücksfall".

So wie eine Hausnummer Paola von Michele in Verona trennt, trennt eine Absperrung aus Metall an der deutsch-schweizer Grenze Paare, Freunde und Verwandte voneinander, wie in den deutschem Medien (z.B. hier) berichtet wird. Andere Länder, andere Trennungen.


In diesem Sinne seien Sie Ihren geliebten Menschen so nah wie möglich: Moderne Technologien wie Alexa, Zoom, Skype, WhatsApp-Videoanrufe und Ähnliches machen es möglich. Auch ein sehr „analoges“, lieb gemeintes, kurzes „Hallo“ über die Sprechanlage bei Ihrer allein lebenden Lieblingsseniorin aus dem 4. OG kann an diesen Tagen der sozialen Distanzierung viel bedeuten. Bleiben Sie bitte zuhause: Schützen Sie sich, damit Sie andere schützen.


#AndràTuttoBene #iorestoacasa #WirBleibenZuhause #StayAtHome #YoMeQuedoEnCasa #Jeresteàlamaison


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