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19. März 2020

Mit dem Hund Gassi gehen – Italiener und ihre Fantasie in Zeiten vom Corona-Virus

Ein Tag fühlt sich wie eine ganze, ereignisreiche Woche an. Man hat das Gefühl, man hat zehn Energy-Drinks an einem einzigen Tag getrunken: Ein elektrisierendes Gefühl im Kopf, der beinahe explodiern könnte. Italiener aus ihrer „häuslichen Isolation“ berichten, die Decke fällt mir auf den Kopf nach dem 10. Tag seit der Ausgangssperre. Überall ist der Leitspruch dieser Pandemie zu lesen, der Italienern ein wenig Mut zusprechen sollte: #AndràTuttoBene ...

Mit dem Hund Gassi gehen – Italiener und ihre Fantasie in Zeiten vom Corona-Virus

Ein Tag fühlt sich wie eine ganze, ereignisreiche Woche an. Man hat das Gefühl, man hat zehn Energy-Drinks an einem einzigen Tag getrunken: Ein elektrisierendes Gefühl im Kopf, der beinahe explodiern könnte. Italiener aus ihrer „häuslichen Isolation“ berichten, die Decke fällt mir auf den Kopf nach dem 10. Tag seit der Ausgangssperre. Überall ist der Leitspruch dieser Pandemie zu lesen, der Italienern ein wenig Mut zusprechen sollte: #AndràTuttoBene, was so viel wie „alles wird gut“ auf Deutsch heißt. Angesichts der Anzahl von durch das Corona-Virus verstorbenen Italienern (475 Tote nur am 17.03.2020 – Quelle Webseite „La Repubblica“ – Stand vom 18. März 2020) schwinden der Mut und die Hoffnung selbst der größten Optimisten irgendwie dahin.


Was das Corona-Virus aus uns nur gemacht hat? Zum Glück – nicht aus uns allen! Und die Betonung liegt dabei auf „allen“. Deutschland an einem Samstag um 19.00 Uhr in einer Filiale einer bekannten Drogeriekette fragt der beängstigte, verunsicherte Kunde die Drogerie-Verkäuferin, was für eine Packung feuchte Tücher sie gerade in der Hand hält, während die Arme es vergeblich versucht, in das leere Regal die einzige, noch übriggebliebene Packung feuchte Tücher zurückzulegen: Das Zurücklegen der Produkte ins leere Regal dauert länger als sonst, weil sich die Verkäuferin – eine wahre „Heldin“ in dieser schwierigen Zeit der totalen Verwirrung und globaler Unsicherheit – sehr schwer tut, die Packung zielsicher zurückzulegen, weil das ganze Regal leer ist und sie jedes einzelne Preisschild dadurch lesen muss, weil eine Orientierung nach den bereits vorhandenen Produkten aufgrund der Regalleere nur schwer möglich ist. Eine ungewohnte, neuartige „Regalauffülltätigkeit“ von einer „Verkaufsheldin an der Front“, die nur während einer Pandemie und durch die dadurch ausgelösten Hamsterkäufe in Frage käme.


Lachen und eine gute Dosis schwarzer Humor spenden uns ein wenig Mut und Zuversicht. Es erreichen uns Meldungen von Italienern „im Hausarrest“, die sich folgendermaßen über WhatsApp verabreden, ohne ihre eigenen vier Wände verlassen zu müssen:


Er: „Wo bist Du denn?“

Sie: „In der Küche. Und Du?“

Er: „Im Schlafzimmer. Du, sag mal, schaffst Du es, in einer halben Stunde im Wohnzimmer zu sein? Wir könnten dort einen Aperitif zu uns nehmen.“

Sie: „OK, gute Idee. Abgemacht! Ich rufe Dich an, wenn ich in der Diele bin und mich Richtung Wohnzimmer begebe. Bis später!“


Die Fantasie der Italiener selbst – oder vor allem (?) – in Katastrophenzeiten ist außerordentlich ausgeprägt. Eine weitere Lebensepisode aus der „häuslichen Isolation“ sieht als Hauptakteur etwa einen neapolitanischen Senior, der am Balkon mit seinen Nachbarn bei gebotenem Abstand „tombola“, eine italienische Bingo-Variante (siehe → tombola), spielt und seine Tombola-Zahlen laut vor sich hinbrüllt, auf das Balkongeländer setzt und somit die ganze Nachbarschaft mit großem Spaß beglückt. Tja, Italiener und Hausarrest – wie negativ geladene Elektronen, die sich gegenseitig abstoßen.


Man nehme einen Italiener und stecke ihn ins Hausarrest: Du darfst nur zur Apotheke und zum Supermarkt. Nirgendwohin sonst. Das ist leichter gesagt als getan: Mit Hund Gassi gehen dürfte unter Umständen schon erlaubt sein, auch wenn eine landesweite Ausgangssperre verhängt wurde. Was macht ein älterer Italiener aus Bologna ohne Hund, der unbedingt ohne triftigen Grund seine Wohnung verlassen wollte? Da kann ich mit einem gelben Kunststoffhund Gassi gehen oder? Das wird wohl auch geduldet, wird sich der Senior dabei gedacht haben. Ein Hund ist doch ein Hund:





Schade, dass der Hund nicht echt ist. Hauptsache Hund. Infolgedessen haben manche Gemeinden in Italien sogar extra in offiziellen Verordnungen genauer definiert, dass der Hund „ein lebendiges Wesen“ sein sollte: ach herrje! 🙊

Diese Italiener lassen der Fantasie freien Lauf: Ist die Fantasie in solchen nie dagewesenen Extremsituationen eine Art Überlebenschance oder -strategie? Die Frage sollte man eine/n Diplom-Psychologen/in stellen. Sicherlich kann der Laie auch ohne Psychologie-Diplom-Abschluss die Frage bejahen.

Italienische Kinder und das Corona-Virus: Wieviel Fantasie haben italienische Kinder? Eine Menge können wir Ihnen versprechen. Bei Twitter erzählt eine italienische Mutter, was für „süße und liebevolle“ Sätze ihre Tochter in den letzten Tagen über die Lippen gebracht hat:


- Mutti, ich küsse Dich nicht, weil ich nicht weiß, ob Du Corona-Virus hast.

- Mutti, darf ich Dein i-Phone haben, wenn Du tot bist?

- Mutti, bitte keinen PIN-Code in Deinem i-Phone einstellen, weil ich es nicht entsperren kann, wenn Du dann tot bist.



Die Mutter versichert ironisch in ihrem Tweet abschließend, dass ihre Tochter schon vor der Corona-Pandemie „extrem nett zu ihr“ war, genauer gesagt eine richtige „stronza“ (siehe → Übersetzung von „stronzo/a“ im PONS-Wörterbuch). Tja, italienische Kinder und ihre ausgeprägte Fantasie 🙊


In diesem Sinne lachen Sie, soviel Sie können, das tut Ihnen besonders in diesen Tagen gut, auch wenn es Ihnen nicht danach ist. Hören Sie den Kindern zu und bleiben Sie bitte zuhause: Schützen Sie sich, damit Sie andere schützen.


AndràTuttoBene #iorestoacasa #WirBleibenZuhause #StayAtHome #YoMeQuedoEnCasa #Jeresteàlamaison

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